Begeisterung wächst

Albstadt. „Lauf Dich frei! Ich spiel Dich an!“ lautet das Motto des HVW-Grundschulaktionstags, an dem rund 550 Schulen in Baden-Württemberg am Freitag, 11. Oktober, von 9 bis 13 Uhr teilnehmen. Darunter sind vier Albstädter Grundschulen mit etwa 150 Zweitklässlern, die von den Mitgliedern der Handballabteilung der HSG Albstadt betreut werden.

Der Grundschulaktionstag ist ein gemeinsames Projekt der Handballverbände aus Württemberg (HVW), Baden (BHV) und Südbaden (SHV) und entstand aus dem „Tag des Mädchenhandballs in der Schule“, als der HVW das Jahr 2009 zum „Jahr des Frauen- und Mädchenhandballs“ erklärte. Erst ab 2010 durften auch die Jungs beim Grundschulaktionstag mitspielen.

Die Handballbegeisterung in den Grundschulen des Landes nahm Jahr für Jahr zu, und 2018 legten fast 30 000 Mädchen und Jungen der zweiten Klassen aus 551 Schulen am Grundschulaktionstag das AOK-Spielabzeichen ab.

Andere Landesverbände machen es nach

„Unser Konzept hat sich im Laufe der Jahre so erfolgreich entwickelt, dass andere Landesverbände und auch der Deutsche Handballbund den Grundschulaktionstag übernommen haben“, freut sich HVW-Präsident Hans Artschwager, der auch Vize-Präsident des Deutschen Handball-Bundes ist. „Wir müssen den Kindern bereits in der Grundschule den Handballsport nahebringen, schließlich ist die Konkurrenz unter den Sportarten größer geworden.“

Sechs Koordinationsstationen gilt es an diesem Vormittag für das AOK-Spielabzeichen zu absolvieren, außerdem können die Kinder bei der Spielform „Aufsetzer-Handball“ ihre Geschicklichkeit demonstrieren. „Ich bin immer wieder beeindruckt, dass wir an diesem Tag so viele Kinder erreichen und sie in spielerischer Form den Handballsport kennenlernen können“, erklärt Artschwager.

Die Vereine leisten den Löwenanteil der Arbeit 

Sein Dank gilt allen beteiligten Schulen und „ganz besonders unseren Vereinen, die an diesem Vormittag ehrenamtliches Personal stellen und den Tag gemeinsam mit den Schulen organisieren und durchführen“. Der Grundschulaktionstag findet in enger Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung Baden-Württemberg sowie unter der Schirmherrschaft von Kultusministerin Susanne Eisenmann statt. Unterstützt wird er von der AOK Baden-Württemberg.

https://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.albstadt-begeisterung-waechst.3324e047-a139-4dd2-834d-804823f42a8b.html

Die Preisträger des Wettbewerbs Sport & Nachhaltigkeit des Landes Baden-Württemberg stehen fest

Handballverband Württemberg e.V. belegt den 2. Platz

Am vergangenen Freitag, 17.05.2019, wurde im Rahmen des Nachhaltigkeitskongresses in der Sparkassenakademie in Stuttgart der Nachhaltigkeitspreis für Sportverbände vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg und dem Landessportverband Baden-Württemeberg verliehen. Den Preis hat Umweltminister Franz Untersteller gemeinsam mit Elvia Menzer-Haasis, Präsidentin des Landessportverbandes Baden-Württemberg übergeben. 

Sieben Verbände haben es geschafft, die Jury mit ihren guten Ideen zu überzeugen und wurden mit Preisgeldern in Höhe von ingesamt 86.700 € belohnt.

Einer dieser sieben Verbände ist der Handballverband Württtemberg, welcher den 2. Platz belegt hat und sich über ein Preisgeld 8.700 € freuen darf. 

Eine Übersicht über die Preisträger mit ihren Projekten finden Sie hier

Weitere Informationen zur „N!-Charta Sport“ der Nachhaltigkeitsstrategie des Landes Baden-Württemberg finden Sie hier

v.l.n.r. LSV-Präsidentin Elvira Menzer-Haasis, HVW-Präsident Hans Artschwager und Umweltminister Franz Untersteller (Quelle: Jan Potente).

Auf dem Foto sehen Sie v.l.n.r. LSV-Präsidentin Elvira Menzer-Haasis, HVW-Präsident Hans Artschwager und Umweltminister Franz Untersteller (Quelle: Jan Potente).

Hans Artschwager bei der WM: Mittendrin im großen Handball-Zirkus

Der HVW-Präsident aus Hildrizhausen ist bei der Weltmeisterschaft im Einsatz

von Vanessa Frey, 26. Januar 2019, Kreiszeitung Böblinger Bote

Deutschland ist im Handball-Fieber. Volle Hallen, spannende WM-Spiele und herrlich bodenständige Akteure lassen die Herzen der Zuschauer höher schlagen. Mittendrin im Handball-Zirkus: Hans Artschwager aus Hildrizhausen, Geschäftsführer der Waldhaus Jugendhilfe und Präsident des Handballverbandes Württemberg.

HILDRIZHAUSEN. Eben diesen vertrat er in verschiedenen Arenen bei der Weltmeisterschaft, ob in Berlin, München, Köln oder Hamburg. Hans Artschwager war mittendrin und hatte dabei die Möglichkeit, einige interessante Bekanntschaften zu machen.

Als seine Reise vor zwei Wochen begann, stand er allerdings vor dem ersten Hindernis. Aufgrund der Streiks vieler Fluglotsen wurde sein Flug von Stuttgart nach Berlin zum Eröffnungsspiel der deutschen Nationalmannschaft gestrichen. „Da musste ich spontan mit dem Auto fahren, im größten Schneechaos“, berichtet Hans Artschwager schmunzelnd. Von der Bundeshauptstadt ging es anschließend zum südlichsten Austragungsort nach München, dort verbrachte der Hildrizhausener die komplette Vorrunde. Kroatien, Spanien, Island, Mazedonien, Japan und Bahrain kämpften dort um Punkte. „Als Mitglied des DHB-Präsidiums war ich unter anderem für die Verbandspräsidenten der anderen Nationen zuständig“, berichtet der ausgewiesene Handballexperte.

Aber nicht nur Funktionäre schauten in der Olympiahalle vorbei. Bayrische Fußballprofis der jeweiligen Nationen übernahmen in ihrer eigenen Winterpause die Ehrungen der jeweiligen Spieler des Spiels. „So waren beispielsweise Javier Martinez und Niko Kovac vom FC Bayern München zu Besuch, oder auch der Isländer Alfred Finnbogason aus Augsburg. In meinen Augen eine tolle Idee, die eine zusätzliche Begeisterung bei den Zuschauern geschaffen hat“, freute sich Artschwager über die interessanten Begegnungen. Ursprünglich hatten Handballexperten mit dem Standort München als Spielort große Bedenken. Doch die Weltmeisterschaft zog mehr Besucher an als erwartet. „Das lag hauptsächlich an den kroatischen Fans, aber auch die Isländer und die mazedonischen Zuschauer haben für viel Farbe in der Halle gesorgt“, ist der Waldhaus-Geschäftsführer zufrieden, „die Blaskapelle Isar-Spatzen hat das Publikum zusätzlich angeheizt, natürlich auf die ganz eigene, bayrische Weise.“

Doch einer der schönsten Momente für Hans Artschwager ereignete sich während des Spiels Mazedonien gegen Island. „Der Sieger dieser Partie ist in die Hauptrunde eingezogen. Während des Spiels saß ich neben dem isländischen Verbandspräsidenten“, schildert er. Und weiter: „Mitten im Spiel drehte dieser sich zu mir um und schlang mir einen isländischen Fan-Schal um den Hals, das sollte seiner Mannschaft Glück bringen.“ Island gewann, den Schal durfte Hans Artschwager anschließend behalten. „Gegen Deutschland habe ich ihn natürlich nicht getragen“, sagt er lachend.

Denn nachdem die Vorrundengruppe ausgespielt worden war, ging es für den kompletten Tross, bestehend aus Mannschaft und Funktionären, zur Hauptrunde nach Köln. „Da ist eine richtige Welle von München und Berlin in die LANXESS-Arena zur Hauptrunde geschwappt. Der Bann der Weltmeisterschaft war ungebrochen und auch dort waren alle Tickets fast restlos ausverkauft.“ Im Vergleich zum großen Bruder Fußball könne der Handball mit anderen Werten begeistern. „Nahbar, teamorientiert und erfolgreich, diese Merkmale schaffen aktuell eine riesen Identifikation zu unserem Sport“, weiß der Hildrizhausener.

Fans sind noch viel näher an den Emotionen dran als 2007

Selten war der Hype um die deutsche Handballnationalmannschaft so groß. „Wobei das sicherlich auch mit den heutigen Social-Media-Kanälen zu tun hat“, ist sich Hans Artschwager sicher. „Dadurch können die Fans noch größere Emotionen wahrnehmen, als es zum Beispiel 2007 der Fall war.“

Nach einem kurzen Übergang ins Tagesgeschäft im Waldhaus unter der Woche ging es für Hans Artschwager gestern dann auch endlich mit dem Flugzeug zu den Halbfinalspielen nach Hamburg. „Die morgigen Finalspiele kann ich mir natürlich auch nicht entgehen lassen.“ Mit einem Zubringerbus geht es heute schon in Richtung Dänemark zum Austragungsort des Finales in Herning. Für Hans Artschwager ist die Handball-Weltmeisterschaft in Deutschland und Dänemark aber auch schon vor dem Schlussakkord am Sonntagabend ein voller Erfolg: „Wenn man wahrgenommen hat, wie überall über unseren Sport gesprochen wurde, welche Aufmerksamkeit wir aktuell bekommen, dann kann man nur zufrieden sein.“

https://www.krzbb.de/krz_56_111653237-13-_Hans-Artschwager-bei-der-WM-Mittendrin-im-grossen-Handball-Zirkus.html?archiv=1

Wo sind die Khediras, Özils oder Boatengs?

Anders als König Fußball hat der Handball für Zuwanderer in Deutschland keinerlei Strahlkraft. Spieler mit Migrationshintergrund sind in der zweitwichtigsten Teamsportart Mangelware. Woran liegt das?

von Jürgen Frey,  17.01.2019, Stuttgarter Nachrichten

Stuttgart – David ist 14 Jahre alt. Er spielt in der C-Jugend bei Frisch Auf Göppingen im linken Rückraum. Aaron steht im Tor, im Feld hat er Tim, Niklas, Cornelius, Julian und Jannis neben sich. David spielt auch Fußball beim FV Faurndau. Dort hießen seine Mitspieler beim letzten Hallenturnier Giacomo, Theodoros, Melih, Vasile, Oktay und Giuseppe. David ist in beiden Sportarten mit gleicher Leidenschaft am Ball. Er fühlt sich in beiden Teams gleich wohl. Dass er im Fußball im krassen Gegensatz zum Handball der einzige Spieler ohne Migrationshintergrund ist, spielt für ihn überhaupt keine Rolle. 

In der deutschen Handball-Nationalmannschaft heißen Spieler Lemke, Böhm und Strobel. Foto: AFP

Das Beispiel von der Basis zeigt vielmehr, dass sich in der zweitwichtigsten Teamsportart die gesellschaftliche Vielfalt nicht widerspiegelt. Auch in der deutschen Handball-Nationalmannschaft fahndet man vergeblich nach Spielern, deren Biografien an Fußballkollegen wie Jerome Boateng, Mesut Özil oder Sami Khedira erinnern. Lediglich die Eltern von Kreisläufer Patrick Wiencek stammen aus Polen. Bei den französischen Handballern ist das ganz anders: Sie profitieren traditionell stark von Profis, die aus ehemaligen Kolonien wie La Reunion oder Guadeloupe stammen. 

Studien belegen: Handball wird von Migranten nahezu ignoriert

Regionale Studien in Bielefeld und Duisburg belegen, dass Handball für Zuwanderer keine Strahlkraft hat. Knapp 60 Prozent der Migranten spielen Fußball, danach folgen mit riesigem Abstand Kampfsportarten (14 Prozent) und Turnen (zehn Prozent). Nur drei Prozent spielen Handball. Die Sportart wird bei Migranten also nahezu ignoriert. Woran das liegt? 

Ein Teil der Antwort ist einfach. Der Stellenwert der Sportart in den Herkunftsländern ist nun mal gering, die Eltern sind ohne Handball aufgewachsen. „Ein Afrikaner schickt seinen Sohn nun eben nicht zum Eishockey und auch nicht zum Handball. Auch in der Türkei fristet der Handball ein Schattendasein. Die motorisch begabten Kinder gehen zum Fußball. Zumal ein später damit möglicherweise verbundener sozialer Aufstieg dort am lukrativsten ist“, sagt der Sportwissenschaftler Rolf Brack. Hinzu kommt, dass es eine ungezwungene Straßenspielkultur wie im Fußball oder Basketball nicht gibt. Der frühere Frauen-Bundestrainer Dago Leukefeld gibt noch zu bedenken: „Die Handball-Regeln sind einfach auch zu kompliziert.“ 

Philosoph Eilenberger hat den Handballsport als „kartoffeldeutsch“ beschrieben

Der zweite Teil der Antwort, warum Sportler mit Migrationshintergrund im Handball so gut wie keine Rolle spielen, ist komplexer. Wird das Thema vom Deutschen Handball-Bund (DHB) vernachlässigt? Gibt es keine wirkungsvollen Integrations-Initiativen? Vor zwei Jahren hat der Berliner Philosoph Wolfram Eilenberger in einer Kolumne für „Zeit Online“ dieses Thema bewusst zugespitzt und provokativ aufgegriffen – und erhielt wütende Reaktionen. Als „völkisch homogen“ und „kartoffeldeutsch“ hat er den Handball beschrieben, als „konservatives Provinzvergnügen“. Zwischen den Zeilen las sich das, als würden die Vereine Migranten bewusst ausschließen. Das ist nicht der Fall, meint die Sportsoziologin Carmen Borggrefe von der Universität Stuttgart im Gespräch mit unserer Zeitung. Dennoch ziehen Vereine unbewusst Grenzen, indem sie Werte beanspruchen, die als typisch Deutsch gelten: Bodenständigkeit, Ehrlichkeit, Authentizität. „Auf Internetseiten der Vereine sieht man oft nur blonde, autochthon aussehende Kinder“, sagt Carmen Borggrefe. „Indirekte Fremdexklusion“, nennt sie dies. 

Herrscht im Handball etwa eine gewisse Arroganz vor, es auch ohne die Kinder mit Migrationshintergrund hinzubekommen? Hans Artschwager dementiert dies ganz energisch. Der Präsident des Handball-Verbandes Württemberg (HVW) betont vielmehr: „Wir brauchen die Kinder dringend. Denn diese Gruppe wird wegen des demografischen Wandels für die Mitglieder- und Talentrekrutierung immer bedeutender.“ 2009 hatte der DHB noch über 847 400 Mitglieder und wollte die Eine-Million-Schallmauer durchbrechen. Inzwischen geht es nur noch darum, nicht unter die aktuelle Zahl von rund 757 500 Mitglieder abzurutschen. „Es geht einzig und allein über die Schulen. Sie sind ein Raum des Vertrauens. Dort müssen wir die Eltern mitnehmen“, sagt Artschwager. Der Verein habe diesen Vertrauensvorschuss bei Familien mit Migrationshintergrund nicht. Das Problem: Handball findet in der Schule fast gar nicht statt.

Zumindest der TVB Stuttgart sucht nach konstruktiven Lösungen

Der TVB Stuttgart hat dieses Problem erkannt. Der Bundesligist bietet jeder Schule im Großraum Stuttgart eine Schnupperstunde mit einem seiner Profihandballer an. Außerdem lädt der Club die Kinder zu einem Heimspiel ein. „Ich finde das gehört zu den Aufgaben eines Proficlubs“, sagt TVB-Trainer und -Geschäftsführer Jürgen Schweikardt. Sein Club hatte zwei Jahre lang optimale Voraussetzungen. In Torwart Yunus Özmusul (2015/16) Linkshänder Can Celebi (2016/17) spielten zwei Türken im Verein. „Das hat sich aber nicht signifikant ausgewirkt“, erklärt Schweikardt. Weder auf Zuschauerzahlen noch auf die Zahl der Mitglieder im Verein. 

Im Gegensatz zu Fußballern wie Mesut Özil oder Ilkay Gündogan sind die Handballer in ihrer Heimat eben keine Stars. Dennoch wäre es wichtig, solche Spieler in ein Konzept einzubinden. „Die Person, die an die Schulen geht, darf nicht mit unserem Blickwinkel rangehen, sondern muss wissen, wie der Nachwuchs in dem jeweiligen Kulturkreis tickt“, betont Artschwager, der als Geschäftsführer der sozialpädagogischen Einrichtung Waldhaus in Hildrizhausen bisweilen mit 90 jugendlichen Flüchtlingen zu tun hat. Zwei konnte er für den Handball gewinnen. „Ich hätte es leichter, eine Cricketmannschaft zusammenzubekommen, als ein Handballteam“, sagt Artschwager, kämpft aber weiter. 

Martina Haas, im DHB-Präsidium für die Mitgliederentwicklung zuständig, befasst sich mit dem Zugehen auf Menschen mit einer Einwanderungsgeschichte. „Wir gehen es in drei Pilotregionen in Deutschland konkret an und wollen den Vereinen konkrete Handlungsmöglichkeiten in Verbindung mit den Schulen geben“, erklärt Haas. Wissenschaftler jedenfalls fordern eine Offensive des DHB in Form von verpflichtenden Fortbildungen in den Vereinen zum Thema IntegrationEine begeisternde Heim-WM kann für das Werben an der Basis mit Sicherheit nicht schaden.

https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.handball-wo-sind-die-khediras-oezils-oder-boatengs.5467cbcb-e127-45e6-85f5-9726b4da4ab7.html

Bei der WM im Einsatz: Hans Artschwager aus Hildrizhausen

Artikel vom 02. Dezember 2017

24 Jahre lang musste Deutschland darauf warten: Die Weltmeisterschaft der Frauen vom 1. bis 17. Dezember ist das Handball-Ereignis des Jahres und treibt auch Hans Artschwager schon eine ganze Weile um. „Zwölf Sitzungen in den vergangenen 15 Monaten, und das bei diesem Verkehrskollaps rund um Stuttgart“, zählt der Waldhaus-Geschäftsführer aus Hildrizhausen, der auch Präsident des Handballverbands Württemberg (HVW) ist, auf. Dazu unzählige Besprechungen und Telefonate.

Ein ausgeklügeltes Konzept hatten er und seine Mitstreiter beim Deutschen Handballbund (DHB) eingereicht, um möglichst viel von der WM ins „Ländle“ zu bekommen. „Wir hätten gerne eine Hauptrundengruppe ausgerichtet“, lässt er durchblicken. Bekommen hat er eine Vorrunde – zwar ohne die Deutschen, die spielen in Leipzig, dafür mit den großen Handballnationen Norwegen und Schweden und ihren unglaublich einfallsreichen Fans. Gespielt wird ab heute in der Bietigheimer EgeTrans Arena. Bis nächsten Freitag wird Artschwager dort auch im Hotel übernachten, viele freie Betten gibt es in der Stadt nicht mehr.

Bietigheim hat sich richtig viel einfallen lassen

„Wir haben richtig gepowert“, blickt der 61-Jährige zurück. „Die Mannschaften und Gäste sollen Bietigheim eine Träne nachweinen, wenn die Vorrunde abgeschlossen sein wird. Keiner der Austragungsorte hat so viel zu bieten.“ Der IHF, der Weltverband, hat in der Halle das Sagen, der DHB ist der Veranstalter, die Württemberger sorgen für das Drumherum. Und haben sich dabei jede Menge einfallen lassen. „Meine hauptsächliche Aufgabe wird sein, das Rahmenprogramm zusammenzuhalten“, so Artschwager. Zusammen mit der Stadt. Insgesamt 130 Volunteers sind ebenfalls im Einsatz. „Und die brennen alle“, ist der Hildrizhauser überzeugt.

Gestern war die Generalprobe, ob mit der Technik alles funktioniert. „Bei der letzten Austragung wurden die Fahnen von Süd- und Nordkorea vertauscht, das darf natürlich nicht passieren.“ Die Mannschaften und Offiziellen reisten an, die ersten Kontakte wurden geknüpft, 160 Akkreditierungen wurden ausgegeben. Heute stehen ab 14 Uhr die ersten drei Gruppenspiele an, alle Tickets sind so gut wie vergriffen. „Für mich sind die nächsten Tage ein Mittelding zwischen Stress und Hobby“, sagt Hans Artschwager, der seit Oktober sogar Vizepräsident beim DHB ist, mit einem Augenzwinkern. „Wenn ich mir meinen Ablaufplan anschaue, dann bin ich schon gefordert, aber das krieg‘ ich hin“, hat er sich in seiner neunjährigen Amtszeit eine gewisse Routine angeeignet. „Ich brauch‘ ja keinen Redenschreiber mehr.“

Ob es ihm allerdings reichte, das Eröffnungsspiel der deutschen Mannschaft am Freitagabend gegen Kamerun anzuschauen? „Ich hatte sogar eine Einladung nach Leipzig, habe aber abgesagt“, wäre ihm dieser Stress zu groß geworden. In Bietigheim boten sie ja auch ein großes Public Viewing an – die Stimmung war bestimmt prächtig. Die Fan-Zone direkt neben der Arena ist fest in württembergischer Hand. Dort spielt die Musik, dort finden die Partys statt, dort werden die Gäste begrüßt. „Auf halbem Weg von der Arena runter in die Stadt“, so Artschwager. Also gar nicht zu verfehlen.

Am Samstag auf dem Programm: Erst eine Präsidiumssitzung mit dem ersten Feedback der teilnehmenden Teams aus Polen, Ungarn, Norwegen, Schweden, Tschechien und Argentinien, dann der Besuch von sechs E-Jugendmannschaften, die bei der vorher in Wernau ausgetragenen Mini-WM Eintrittskarten gewonnen hatten. „Die Euphorie war der Hammer“, konnte er sich vor Ort über den Feuereifer und die Begeisterung beim Nachwuchs überzeugen. „Gewonnen hat Tunesien, Sieger bei der zweiten Mini-WM in Aalen wurde Tschechien.“ Ob die WM genau so ausgeht? Eher unwahrscheinlich. Ebenfalls vorgeschaltet waren drei Mädchen-Camps, eines davon in Magstadt. Die Teilnehmerinnen werden sich am Sonntag zur Sternfahrt nach Bietigheim aufmachen, rund 100 Teilnehmerinnen und Betreuer. Dazu hatte der HVW einen Videowettbewerb für Spalierkinder ausgelobt. „Irre, was wir da für Zugriffszahlen auf unserer Homepage hatten“, wunderte sich Artschwager.

Mini-WM, Mädchen-Camp und Ehemaligen-Treff

Vorgemerkt hat er außerdem: Den kommenden Dienstag als Grundschulaktionstag („eine unserer besten Errungenschaften“), den Donnerstag, wenn der Württembergische Landessportbund und die Sportregion vorbeischauen, und der Freitag, denn zum Vorrundenabschluss werden ehemalige Auswahlspielerinnen nach Bietigheim eingeladen. Darunter alte Bekannte wie Silvia Schmitt oder Sabrina Koschella, die mit dem VfL Sindelfingen Europapokalzeiten erlebten. „Viele haben zugesagt“, freut sich Artschwager auf das Wiedersehen. Und noch besser: Er hat in der Einladung alle ganz vornehm gefragt, ob sie sich vielleicht für eine Aufgabe oder Idee engagieren könnten. „Die Resonanz war vielversprechend. Das fällt leichter, als neue Leute zu begeistern.“

Rückblick: Vor 24 Jahren war Deutschland das letzte Mal Ausrichter – und Weltmeister. „Der Sindelfinger Glaspalast war komplett ausverkauft“, weiß Hans Artschwager noch ganz genau. Und mit Annika Schafferus gehörte auch eine Hildrizhauserin zum Erfolgsteam. „Danach wurde der Frauenhandball immer wieder in den Dornröschenschlaf versetzt“, war der HVW-Präsident mit der Entwicklung überhaupt nicht einverstanden. Bis heute. „Inzwischen wurden die Zeichen der Zeit erkannt. Und Bundestrainer Bieger hat ein Team geformt, das einen richtig geilen Handball spielt.“ Das gilt auch für Württemberg. Vor 18 Jahren gab’s gar keinen Erstligisten, mittlerweile sind es fünf von vierzehn, der aktuelle deutsche Meister heißt SG BBM Bietigheim. „Ich schreibe viel Kurt Reusch zu, dem langjährigen Landestrainer“, so Artschwager. „Wir haben dank ihm die beste Trainerausbildung, dazu engagierte Vereine und jetzt auch den notwendigen materiellen Background.“

Natürlich schaut sich Hans Artschwager an den kommenden Tagen so viele Spiele wie möglich an, auch beim Finale in Hamburg ist dabei. Seine Frau Karin wird ihn ab und zu in Bietigheim besuchen und nach dem Rechten sehen, an den spielfreien Tagen ist auch Gelegenheit, um einiges aufzuarbeiten. Unterbrochen wird die Handballbegeisterung nur durch eine Trauerfeier daheim im Waldhaus für einen langjährigen Mitarbeiter. Ansonsten läuft es in der Jugend- und Sozialhilfeeinrichtung am Schönbuchrand auch ohne den Geschäftsführer. „Ich habe so gute Leute dort, die kriegen das alles prima hin“, so Artschwager. Und mit einem Schmunzeln: „Als ich das letzte Mal aus dem Urlaub zurückkam, hatte ich gar nichts zu tun. Alles war schon erledigt.“

https://www.krzbb.de/krz_56_111428553-13-_Bei-der-WM-im-Einsatz-Hans-Artschwager-aus-Hildrizhausen.html?archiv=1