WESHALB SICH EHRENAMTLICHES ENGAGEMENT IM VERBAND LOHNT

EIN KURZINTERVIEW MIT HANS ARTSCHWAGER

HANS ARTSCHWAGER ZIEHT SICH NACH LANGJÄHRIGEM ENGAGEMENT AUS DER EHRENAMTLICHEN ARBEIT IM PARITÄTISCHEN ZURÜCK. BEREITS IM MAI BEENDETE ER SEINE MITARBEIT IM KERNTEAM DES BEREICHS JUGEND UND BILDUNG. IN DEN VERGANGENEN JAHREN HAT HANS ARTSCHWAGER AKTIV AN DER ENTWICKLUNG DES VERBANDS UND AUCH DER KINDER- UND JUGENDHILFE MITGEWIRKT. ER WAR IM FRÜHEREN VORSTAND DES LANDESVERBANDES BZW. IM AUFSICHTSRAT, IM KREISVERBAND SOWIE FÜR DIE FACHGRUPPE SEHR AKTIV. IM STÄNDIGEN AUSSCHUSS UND IM KERNTEAM HAT ER VIEL DAZU BEIGETRAGEN DIE JUGENDHILFE VORANZUBRINGEN. ER HAT POSITIV SPUREN HINTERLASSEN. DIE JUGENDHILFE IM PARITÄTISCHEN SOWIE DIE GEMEINSAME WEITERENTWICKLUNG WAREN IHM STETS SEHR WICHTIG, WIE DAS FOLGENDE KURZINTERVIEW ZEIGT:

Welche Meilensteine im Paritätischen waren im Rückblick wichtig?

Zu Beginn meiner Geschäftsführertätigkeit (1985) kam ich in eine Fachgruppe, die sich ausschließlich mit Verbandsthemen auf Landesebene befasste. Ohne das Wissen des Aufbaus der Jugendhilfestrukturen bzw. der Freien Wohlfahrtspflege auf Landes- und Kreisebene war die Teilnahme an den Treffen wie ein Buch mit sieben Siegeln. Für unsere Tagesarbeit kaum nutzbar.

Mitte der 90er Jahre wandelte sich Zusammensetzung und Arbeitsweise der Fachgruppe. Als erste Fachgruppe überhaupt gelang es neben dem Jugendhilfereferenten auch den Verantwortlichen des Entgeltreferates für eine gemeinsame Sitzung im Jahr zu gewinnen. In Zeiten in denen Rahmenvereinbarungen  auf Landesebene verhandelt wurden und sich etablierten ein wichtiger Schritt für die Jugendhilfeeinrichtungen bei der Umsetzung der neuen Systematik.

Weshalb ist die Zusammenarbeit in der Fachgruppe wichtig?

Mit der Einrichtung eines ständigen Ausschusses konnten wichtige fachliche Fragestellungen eingebracht, diskutiert und zeitnah mit der Hauptamtlichkeit des Paritätischen abgestimmt werden. Wichtig ebenso die Vorbereitung der jährlich stattfinden Fachgruppensitzungen die jeweils im Frühjahr und Herbst stattfinden. Diese mit fachlichen, rechtlichen oder organisatorischen Themen so zu füllen, dass viele Jugendhilfevertreter*innen angesprochen werden, ist sicherlich ein wichtiger Meilenstein für eine gut abgestimmte, inhaltlich interessante und immer besser nachgefragte Beteiligung. Der ständige Ausschuss ist dabei Dreh- und Angelpunkt, um die Interessen und Informationen rund um Jugendhilfefragen zu kanalisieren. Bemerkenswert, dass über die Jahre hinweg einzelne Mitglieder der Fachgruppe sich zu gemeinsamen kleinen Coaching-Gruppen verbunden haben.

Warum lohnt es sich im Kernteam und Aufsichtsrat mitzuarbeiten?

Letztlich war diese Form der Zusammenarbeit bei der Entwicklung der Kernteams Vorbild für die Arbeit auch der anderen Fachgruppen im Paritätischen. Hier finden sich auch Querschnittsthemen der Jugendberufshilfe, Jugendsozialarbeit oder Bildungsthemen wieder.

Viele Jahrzehnte war die Jugendhilfe nicht im Vorstand des Paritätischen vertreten. Die Mitwirkung im Vorstand und im Aufsichtsrat des Paritätischen hat der Jugendhilfe bei den Entscheidungsträgern im Paritätischen sowie mich persönlich weitergebracht. Hier ist zu hoffen, dass auch in Zukunft sich die Jugendhilfe im Aufsichtsrat des Paritätischen wiederfindet.

Das wünsche ich der Jugendhilfe im Paritätischen für die Zukunft:

Zunächst ein herzliches Dankeschön an alle Mitstreiter der vergangenen nahezu 30 Jahre. Besonders den Fachreferenten angefangen bei Herrn Schubert, bei Anita Kowoll, Roland Kaiser, Roland Berner und heute Barbara Meier ein großes Lob und Dank. Wir haben über Jahrzehnte engagierte für die Jugendhilfe brennende Fachreferenten an unserer Seite gehabt. Diese Qualität und Unterstützung  seitens des Verbandes ist auch ein Garant dafür, dass Mitgliedseinrichtungen sich im Paritätischen zuhause fühlen.

Abschließend hoffe ich, dass sich die Jugendhilfe auch politisch im Verband wie auch auf kommunaler Ebene einmischt, um die Wichtigkeit unserer Arbeit für Kinder, Jugendliche und deren Familien hervorzuheben.

https://paritaet-bw.de/fachinformationen/details/artikel/weshalb-sich-ehrenamtliches-engagement-im-verband-lohnt-ein-kurzinterview-mit-hans-artschwager.html

„Nach vorne blicken“ SPD-Kreistags-Faktion wählt Fraktionsspitze

„Wir müssen nach vorne blicken und die sozialen Herausforderungen ins Zentrumrücken“, forderte der alte und neue Fraktionsvorsitzende Dr. Tobias Brenner für die kommende Amtsperiode. In ihrer konstituierenden Sitzung wählten die sozialdemokratischen Kreisräte ihren bisherigen Fraktionsvorsitzenden Tobias Brenner erneut einstimmig zu ihrem Fraktionschef, ebenso seinen neuen Stellvertreter Jan Hambach. Zum neuen Geschäftsführer wurde genauso einstimmig Hans Artschwager gewählt.

„Wir sind trotz heftigen politischen Gegenwindes und des Verlusts von nicht mehrangetretenen Stimmenfängern mit einem „blauen Auge“ davon gekommen, da wir in allen 10 Wahlkreisen wieder mit einem gewählten Kreisrat beziehungsweise Kreisrätin vertreten sind und dabei viele Kompetenzen vorweisen können: Von Feuerwehrkommandant über Betriebsratsvorsitzenden und Berufsschullehrerin bis zum Arzt. Selbstverständlich ist es bitter, als viertstärkste Kraft nur bei rund 13 % zu landen und neben zwei Sitzen verdiente Mitglieder zu verlieren, ebenso dass wir nur noch eine Frau in unseren Reihen haben“, fasst Brenner das Ergebnis der Kommunalwahl zusammen.

Doch gelte es mit den neuen Mitgliedern und den bewährten Kräften in der Faktion nach vorne zu blicken, die Präsenz der SPD-Kreistag-Fraktion in allen Orten zu stärken und sich noch wahrnehmbarer für die Interessen der Menschen im Landkreis Böblingen einzusetzen. Auch auf den sozialen Medien will die SPD im Kreistag ihre Präsenz ausbauen. „Wir werden die sozialen Herausforderungen ins Zentrum rücken und unser Profil schärfen, wir am Drücker bleiben und auch dafür sorgen, dass der erstmals auf unsere Initiative erstellte Armuts- und Reichtums-Bericht nicht folgenlos in der Schublade verschwindet“, betont der neugewählte Gesch.ftsführer und Sozialexperte der SPD-Kreistags-Fraktion Hans Artschwager, der auch Gesch.ftsführer des Waldhauses Jugendhilfe in Hildrizhausen ist.

Der Armuts- und Reichtums-Bericht habe belegt, dass die Ungleichheit im Kreis Böblingen in den letzten zehn Jahren deutlich gestiegen sei und schlage deshalb die Schaffung von mehr bezahlbarem Wohnraum und die Einführung eines Sozialtickets vor. Wohnen dürfe nicht zum Luxusgut werden, deshalb sei die Umsetzung von bezahlbarem Wohnraum in der Herrenberger Marienstraße, dem Schwesternwohnheim in Böblingen und im Bereich des Leonberger Krankenhauses ein wichtiges Anliegen für die SPD im Kreistag. Ferne gelte es die Mobilität nachhaltig, zuverlässig und preiswert machen. “Gleichzeitig, müssen wir die Wirtschaft und die Infrastruktur im Kreis fit für die Zukunft machen, die Digitalisierung zum Vorteil der Menschen zu nutzen und unsere Abhängigkeit von bestimmten Wirtschaftsbranchen reduzieren“, so der frisch gewählte 24-jährige Stellvertreter der SPDKreistags- Fraktion Jan Hambach, der als Stabsstelle der Gesch.ftsführung bei der Böblinger IHK arbeitet.

Kreistagswahl: CDU und Freie Wähler geben zehn Sitze ab

Das konservative Lager verliert im Landkreis Böblingen – Grüne holen fünf zusätzliche Mandate – AfD erstmals vertreten

Die Bürgerlichen müssen bei der Kreistagswahl Federn lassen. Freie Wähler und CDU verlieren jeweils fünf Sitze, die SPD büßt zwei Mandate ein. Gewinner sind die Grünen mit fünf Sitzen Zuwachs und die AfD. Die Rechtspopulisten sind zum ersten Mal mit fünf Vertretern im Kreistag vertreten. Neu ist auch die Leonberger Liste S:ALZ mit einem Sitz.

Im fünften Stockwerk des Landratsamtes (beim Blick aus dem Fenster ist im Hintergrund die Stadtkirche zu erkennen) tagt der Böblinger Kreistag Foto: Thomas Bischof

Artikel vom 28. Mai 2019 – 17:06

Von Michael Stürm

KREIS BÖBLINGEN. 84 statt 72 Bürgervertreter: Auch in den kommenden fünf Jahren wird der Kreistag wieder deutlich mehr Mitglieder haben, als es die Wahlordnung vorsieht. Zwölf Bewerber haben ihren Sitz einem Ausgleichsmandat zu verdanken.

Vier Mitglieder der Freien Wähler sind auf diese Weise ins Kreisparlament eingezogen. Dennoch muss die Fraktion einen beträchtlichen Aderlass beklagen. 27,93 Prozent bedeuten über sechs Prozentpunkte Stimmenverlust und nur noch 25 Sitze. Ähnliches widerfuhr auch der zweiten Kraft im konservativen Lager.

Auch bei der CDU machten weniger Wähler ihr Kreuzchen, die Partei verlor rund sechs Prozentpunkte. Damit müssen sich die Christdemokraten mit 17 Plätzen begnügen. Vergleichsweise gut meinten es die Wähler mit der SPD. Die verlor knapp drei Prozentpunkte und ist mit elf Vertretern im Kreisparlament.

Auch im Kreis sind die Grünen die klaren Gewinner. Sechs Prozentpunkte mehr Stimmen bescheren der Partei 16 Sitze. Mit einem ähnlichen Erfolg wartet das rechte Lager auf. Die AfD erreicht aus dem Stand 6,44 Prozent und schickt fünf Vertreter in den Sitzungssaal im Landratsamt. Opfer des Rechtsrucks ist die NDP: Die Rechtsradikalen, bisher mit einem Sitz vertreten, sind in Zukunft nicht mehr Teil des Kreistags.

Eine kleine Verstärkung kann indes der Altkreis Leonberg verbuchen. Der wird zukünftig mit einem Kandidaten von S:ALZ, einer Leonberger Bürgerliste, vertreten sein. Für Zuwachs sorgte auch die FDP, die zwei Bewerber mehr in das Plenum schickt, während die Linke wie bisher mit drei Vertretern im Kreisparlament sitzt.

Jeder Vierte ist ein Bürgermeister

Auch dieses Mal dominiert die Riege der Bürgermeister wieder das Kreisparlament: 21 Kreisräte, überwiegend auf der Liste der Freien Wähler, sind Rathauschefs oder Dezernenten in den größeren Städten – das macht 25 Prozent des Gremiums aus. Wenig überraschend, dass in diesem Bewerberfeld auch der Stimmenkönig zu finden ist. In einem Kopf-an-Kopf-Rennen musste Herrenbergs OB Thomas Sprißler (16 983 Stimmen) diesen Titel an seinen Sindelfinger Kollegen Bernd Vöhringer (16 997) abgeben. Der neue Shooting-Star kommt jedoch aus Böblingen: OB Stefan Belz sammelte auf Anhieb 15 616 Stimmen für die Grünen.

Vor allem auf der Schönbuchlichtung und im Gäu ist die Anzahl der Ortschefs im zukünftigen Kreisparlament hoch. Neu dabei sind Erwin Heller aus Altdorf und Matthias Schöck aus Hildrizhausen sowie Ioannis Delakos aus Holzgerlingen. Mit Ingolf Welte, Daniel Töpfer, Florian Glock, Ioannis Delakos und Daniel Schamburek haben fünf Bürgermeister, die noch nicht allzu lange im Amt sind, den Einzug in den Kreistag umgehend geschafft.

Doch es gibt auch Verlierer in der Rathaus-Riege: Zwei altgediente Verwaltungschefs werden in Zukunft nicht mehr dabei sein: Ehningens Bürgermeister Claus Unger ist auf der CDU-Liste gescheitert, und Martin Thüringer, der dem Rathaus in Grafenau vorsitzt, hat den Wiedereinzug bei den Freien Wählern nicht geschafft.

 ZAHLEN UND FAKTEN 
 Wahlberechtigte: 300 525
Wähler: 178 378Wahlbeteiligung: 59,36% (2014: 49,13%)
Ungültige Stimmzettel: 4253
Gültige Stimmzettel: 174 125
Gültige Stimmen: 1 265 986
Stimmverteilung (in Klammern das Ergebnis von 2o14): Freie Wähler 27,93% (34,43%), CDU 21,47 (27,33), Grüne 19,48 (13,27), SPD 12,78 (15,04), FDP 7,6 (4,6), AfD 6,44 (-), Linke 3,27 (3,53), S:ALZ 0,78 (0,6), NPD 0,2 (1,06), FRiDi 0,06 (0,14).Sitzverteilung: Freie Wähler 25 (30), CDU 17 (22), Grüne 16 (11), SPD 11 (13), FDP 6 (4), AfD 5 (-), Linke 3 (3), S:ALZ 1 (-). 

Gewählt wurden (Zahl der Stimmen): 
Freie Wähler: Tobias Heizmann (5529), Ralf Sklarski (3776), Ingrid Balzer (5907), Rainer Just (5641), Werner Metz (8409), Joachim Quendt (7298), Thomas Sprißler (16 983), Ingolf Welte (6578), Daniel Gött (6246), Achim Gack (6003, Ausgleichssitz), Martin Killinger (8289), Jürgen Katz (5288), Wolfgang Faißt (6981), Ioannis Delakos (11 430), Wilfried Dölker (6467), Wolfgang Lahl (5927), Erwin Heller (5630), Matthias Schöck (5300, Ausgleichssitz), Daniel Schamburek (5055), Michael Lutz (4781), Annette Odendahl (4553, Ausgleichssitz), Wilhelm Tafel (7091), Matthias Bock (6417), Hans Michael Burkhardt (5761), Bernd Dürr (7043).

CDU: Paul Nemeth (7059), Marc Biadacz (6155), Bernd Vöhringer (16 973), Walter Arnold (8036), Christian Gangl (6788), Helmut Noë (6540), Ulrich Vonderheid (5681), Dieter Haarer (4285), Thilo Schreiber (9104), Susanne Widmaier (8534), Daniel Töpfer (5265, Ausgleichssitz), Andreas Kindler (2926), Klaus Finger (4351), Gabriele Moritz-Rahn (3616), Thomas Riesch (8857), Thomas Rott (5195), Cornelia Ikker-Spiecker (3486).

Grüne: Stefan Belz (15 616), Heidrun Behm (5144), Frank Löhlein (6689), Roland Mundle (7255), Angie Weber-Streibl (6314), Johanna Moltmann-Hermann (4109), Annegret Stötzer-Rapp (5811), Antonia Hildebrandt (4748), Cornelia Epple (4416), Petra Herter (4322), Katharina Kreis (2597), Lea Salemi (4543), Jens Uwe Renz (4095, Ausgleichssitz), Maria Rapp (2991), Thomas Ritter (4015), Gloria Graf (2370).

SPD: Thomas Frech (4832), Axel Finkelnburg (4892), Ulrike Rapp (3697), Günther Wöhler (6923), Tobias Brenner (5558), Hans-Josef Straub (4357), Jan Hambach (2859), Hans Artschwager (2321), Norbert Weinmann (1778), Ergun Lümali (2203), Wilhelm Kern (2186).

FDP: Manfred Teufel (3991), Alexander Baisch (3457), Dieter Maurmaier (3709), Wilhelm Bührer (2516), Florian Glock (4345), Uli Zinser (1978).

AfD: Peter Gleißner (6129), Maximilian Evers (4964), Frank Schempp (5370), Klaus Mauch (3724), Peter Keßler (3890, Ausgleichssitz).

Linke: Ingrid Pitterle (1678), Gitte Hutter (1838, Ausgleichssitz), Angelika Hohl (1252, Ausgleichssitz).

S:ALZ: Frank Albrecht (2248, Ausgleichssitz).

https://www.krzbb.de/krz_50_111719748-13-_Kreistagswahl-CDU-und-Freie-Waehler-geben-zehn-Sitze-ab.html?archiv=1

SPD Kreistagskandidaten im Fuchsbau

SPD-Kreisrat Hans Artschwager hatte zur Kandidatenvorstellung in  das Cafe Fuchsbau nach Hildrizhausen eingeladen. Es entwickelte sich eine interessante Veranstaltung, die zu Beginn allen Kreistagskandidatinnen und Kandidaten ermöglichte Ihre Motivationslagen wie persönlichen Beweggründe zu schildern. Hans Artschwager ging in der Folge auf die wesentlichen aktuellen Themen in der Kreistagsarbeit ein. Er erläuterte, dass sich die SPD seit Jahren u.a. für die Einführung eines Sozialticket im Gremium einsetze, dies aber bisher an den Mehrheitsverhältnissen scheiterte. Die Sozialdemokraten hätten auch die Diskussion einer Kreisbonuscard angestoßen, um Bedürftigen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben unserer „Hochpreisregion“ zu ermöglichen. Kurz streifte er die Herausforderungen im Bereich einer inklusiven Kindertagesbetreuung, schilderte die steigende Tendenz bei den Schülerzahlen der sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren und die Herausforderungen die der Sanierungsstau an den beruflichen Schulen des Landkreises mit sich bringt. Eine abwechslungsreiche Diskussion entbrannte beim Thema bezahlbarer Wohnraum, der für die Anwesenden zu einem der zentralen sozialen Fragen im Landkreis Böblingen geworden ist. 

Mit Günther Wöhler Kreisrat und Allgemeinmediziner aus Leonberg hatte der Spitzenkandidat der SPD der Schönbuchgemeinden einen Kollegen gewinnen können. Er brachte sehr anschaulich den Entwicklungsprozess, wie auch die medizinischen und finanziellen Herausforderungen für das zentrale Klinikum auf dem Flugfeld  den Zuhörern näher.   Er sprach sich für eine hochwertige wohnortnahe Versorgung in den Krankenhäusern Herrenberg und Leonberg, verzahnt mit ambulanten Angeboten. Er ging auf die immer deutlicher werdende Herausforderung  gemeindenahen Versorgung mit niedergelassenen Ärzten und Fachärzten ein. Abschließend diskutierten er mit den Anwesenden über Entwicklungen in der Pflege und bei der Nachfrage auf weitere Hospizplätze im Landkreis Böblingen.  

Ein Blick hinter die Kulissen der Waldhaus-Jugendhilfe Hildrizhausen

Johannes hat auf der Straße gelebt und war kriminell – Dank der Waldhaus-Jugendhilfe Hildrizhausen hat er wieder eine Perspektive

In der Intensiv-Wohngruppe am Waldrand in Hildrizhausen finden junge Männer ein zu Hause, die auf die schiefe Bahn geraten sind – Die KRZ hat einen Blick hinter die Kulissen geworfen Foto: Fotolia

Johannes (Name von der Redaktion geändert) ist 16 Jahre alt, als er von Zuhause rausfliegt. Danach lebt er auf der Straße und gerät auf die schiefe Bahn. Wie er sein Leben in der Intensivwohngruppe der Waldhaus-Jugendhilfe Hildrizhausen wieder in die richtige Spur gebracht hat, hat er der KRZ verraten.

Artikel vom 22. Mai 2019, Kreiszeitung Böblinger Bote

Von Sandra Schumacher

HILDRIZHAUSEN. Wir schreiben das Jahr 2014, Johannes ist 13 Jahre alt. Nachdem sein Vater ausgezogen ist, lebt er nun allein bei seiner Mutter. Und die Probleme zu Hause nehmen ihren Lauf. „Ich habe immer wieder Stress gemacht“, erzählt der heute 18-Jährige, ohne dabei genauer ins Detail gehen zu wollen. In den folgenden drei Jahren geraten Mutter und Sohn immer wieder aneinander, die Streits werden heftiger, bis sie schließlich eskalieren und Johannes Mutter den Jugendlichen in Anwesenheit eines Jugendamt-Mitarbeiters vor die Tür setzt. Der bietet augenblicklich seine Hilfe an. Johannes lehnt sie entschieden ab.

Zu seinem Vater kann und will der damals 16-Jährige nicht gehen, also entscheidet er sich, fortan auf der Straße zu leben. Zur Schule geht er längst nicht mehr, daher fällt es niemandem auf, dass der Junge obdachlos ist. „Normalerweise hätte an dieser Stelle das Inobhutnahme-Programm des entsprechenden Landkreises greifen müssen. Wenn die Jugendlichen es aber clever anstellen, bekommt das Jugendamt erst einmal gar nichts mit. Solche Fälle sind ziemlich selten, passieren aber“, erklärt Michael Weinmann, Bereichsleiter für stationäre erzieherische Hilfen bei der Waldhaus-Jugendhilfe Hildrizhausen.

Rund ein halbes Jahr lebt Johannes auf der Straße

Zwischen fünf und sieben Monate lang – so genau weiß der heute 18-Jährige es nicht mehr – bezieht Johannes Quartier unter Brücken, zwischen Bäumen und Büschen oder wo immer er ein Plätzchen findet, das ihm Schutz vor Wind und Wetter bietet. Manchmal kommt er bei einem Kumpel unter. Aber nicht immer. Seine Eltern wissen um seine Lebensumstände, können oder wollen ihm aber nicht helfen. Zeitgleich wird der junge Mann immer aggressiver und rutscht in die Kriminalität ab. Nimmt beispielsweise Drogen und vertickt sie auch. So lange, bis er eines Morgens nach einer harten Nacht aufwacht und beschließt, sein Leben zu ändern. „Ich hab‘ mich echt scheiße gefühlt und gedacht, dass es so einfach nicht weitergehen kann. Ich wollte endlich wieder eine Zukunftsperspektive haben“, erinnert sich Johannes.

Zu seiner Mutter hat er zu diesem Zeitpunkt keinen Kontakt mehr, also wendet er sich schließlich doch an seinen Vater. Bei ihm kommt der junge Mann einen Monat lang unter, bis ihn das nun eingeschaltete zuständige Jugendamt an die Waldhaus-Jugendhilfe Hildrizhausen vermittelt. Dort bekommt Johannes einen von insgesamt acht Plätzen in der Intensiv-Wohngruppe direkt am Waldrand. Rund zwei Jahre ist das nun her. Seitdem hat sich viel getan im Leben des jungen Mannes, der so weit von seinem Weg abgekommen war.

„In unserer Intensiv-Gruppe betreuen wir Jungs, die schon lange keinen geregelten Tagesablauf mehr kennen, Gewaltpotential in sich tragen oder in die Kriminalität abgerutscht sind“, erklärt Michael Weinmann. „Für viele von ihnen ist der Platz hier eine gerichtliche Auflage. Andernfalls säßen sie im Jugendknast oder der Jugendpsychiatrie.“ Ziel ist es, den jungen Menschen eine zweite Chance zu geben. Die sie aber auch aktiv nutzen müssen. „Es gibt immer wieder Fälle, da können wir nichts tun“, sagt Michael Weinmann, „auch wenn wir viel Geduld und einen großen Toleranzbereich haben.“ Wenn allerdings eine zu starke Drogenproblematik vorherrscht oder es vermehrt dazu kommt, dass die anderen Mitglieder der Wohngruppe zu stark psychisch oder physisch angegangen werden, müsse das Betreuerteam irgendwann einen Schlussstrich ziehen.

Nicht so bei Johannes, der sich innerhalb der nächsten zwei bis drei Monate einlebt. „Mit den Betreuern war es von Anfang an super, nur einige der anderen Bewohner haben manchmal genervt. Das muss man halt aushalten“, erzählt der 18-Jährige. In seinem neuen Heim in Hildrizhausen erhält er neben einem rund 15 Quadratmeter großen Zimmer und einer internen schulischen Ausbildung vor allem Regeln und eine vorgegebene Tagesstruktur. Von nun an klingelt der Wecker ihn jeden Morgen um sieben Uhr aus dem Bett, danach steht ein Waldlauf an, bevor er auf der Schulbank Platz nimmt oder Arbeitsmaßnahmen absolviert. Dabei hilft er zum Beispiel beim Holzhacken auf dem Gelände oder beim Schrauben in der hauseigenen Werkstatt mit. Ebenso beinhaltet das pädagogische Konzept des Waldhauses wöchentlich stattfindende Gruppen- und Einzelgespräche. Und auch die körperliche Betätigung ist eine Pflichtaufgabe: Jeden Montag geht es auf den Fußballplatz, aber auch Basketball, Tischtennis oder Klettern gehören zum Sportangebot. Handball – jene Sportart, für die die Waldhaus-Gründerfamilie Artschwager bis heute bekannt ist – steht allerdings nicht mehr auf dem Stundenplan. „Weil das Interesse daran einfach nicht mehr so groß ist“, begründet Michael Weinmann.

Tanzt einer der Jungs zu stark aus der Reihe, muss er die Konsequenzen tragen. Reicht das nicht aus, hilft die Gruppendynamik weiter. „Wenn man zum Beispiel dreimal beim Kiffen erwischt wird, muss die ganze Gruppe einen Dauerlauf absolvieren. Die Methode zieht“, sagt Johannes und grinst. „Unser Anliegen ist es, dass die Jungs ihre Probleme mithilfe der Betreuer und der Gruppe geregelt bekommen“, fügt Michael Weinmann hinzu. Schließlich könne ein solches Fehlverhalten negative Auswirkungen beispielsweise auf jene Bewohner haben, die aufgrund einer Bewährungsauflage nicht in Kontakt mit Drogen kommen dürfen.

Heute hat Johannes wieder Kontakt zu seinen Eltern

Für Johannes, der bis dato orientierungslos in den Tag hineingelebt hat, bedeuten die neuen Regeln eine ganz schöne Umstellung, die ihm jedoch dabei hilft, zurück in die Spur zu finden. Schützenhilfe erhält er zudem von den insgesamt acht Waldhaus-Mitarbeitern, die die Jungs rund um die Uhr betreuen. „Außerdem bekommt jeder Jugendliche einen eigenen Bezugsbetreuer zugeteilt“, erläutert Michael Weinmann. Der setzt sich intensiv mit den speziellen Problemen seines Schützlings auseinander, übernimmt organisatorische Aufgaben und ist für die intensive Elternarbeit zuständig. Dazu gehören regelmäßige Gespräche – je nach Fall mit oder ohne den Jugendlichen -, bei denen die Rollen und Systeme innerhalb des Familienlebens analysiert werden. „Wenn es möglich ist, versuchen wir, auf diese Weise eine Annäherung der Parteien zu erreichen“, sagt Michael Weinmann.

Eine Methode, die in Johannes Fall Früchte trägt. Heute hat er wieder regelmäßigen Kontakt mit seinem Vater und sporadisch auch zur Mutter. Das Wichtigste aber ist, dass er zu sich selbst zurückgefunden hat. „Heute lasse ich mich nicht mehr so leicht provozieren, beispielsweise wenn mich jemand auf der Straße blöd anguckt. Das wird einem hier ausgetrieben“, sagt Johannes, der mittlerweile in einem Ablösezimmer mit gelockerten Regeln auf dem Waldhaus-Gelände wohnt und bald in eine betreute Jugendwohnung umziehen will. Zudem hat er über die internen Schulungsmaßnahmen seinen Hauptschulabschluss nachgeholt, anschließend sogar die Werkrealschule besucht, wo bald seine Abschlussprüfungen anstehen.

Und danach? „Ich möchte das Technische Gymnasium in Sindelfingen besuchen und anschließend Pilot werden“, sagt Johannes. Heute habe er mit seiner Vergangenheit abgeschlossen und blicke wieder optimistisch in die Zukunft. Weil er sich dazu entschieden hat, die zweite Chance, die ihm das Waldhaus gegeben hat, zu nutzen. Und somit eine weitere Erfolgsgeschichte darstellt, die sich die Jugendhilfe-Einrichtung auf die Fahnen schreiben kann.

Waldhaus Jugendhilfe: Eine neue Wohngruppe für Jugendliche in Not

In Hildrizhausen entsteht ein Neubau für das Inobhutnahme-Programm des Landkreises

Von Sandra Schumacher, 02. April 2019, Kreiszeitung Böblinger Bote

HILDRIZHAUSEN. Lautes Hämmern, surrende Maschinen und viele hohe Erdhügel: Wer in Hildrizhausen in der Nähe des Waldhauses unterwegs ist, erkennt schnell, dass sich was tut auf dem Gelände der Jugendhilfe-Einrichtung. Seit November laufen auf der rund 620 Quadratmeter großen Fläche die Bauarbeiten für das neue Gebäude, in dem in zwei Vollgeschossen und einem Dachgeschoss sowohl Verwaltungs- als auch Wohnräume entstehen sollen. Sieben Büros mit bis zu 15 Arbeitsplätzen, Mehrzweck- und Besprechungsräume sowie ein Foyer sind im Erdgeschoss geplant. Hinzu kommen zwei große WC-Räume, die von außen zugänglich sind. „Sie sollen vor allem bei unseren Festen zum Einsatz kommen“, erklärt Waldhaus-Geschäftsführer Hans Artschwager. Über einen separaten Eingang ist das erste Obergeschoss erreichbar, in dem sechs Zimmer für eine neue Wohngruppe für das Inobhutnahme-Programm des Landkreises entstehen sollen. Dieses Programm gilt als Notbremse der Behörden. Dabei werden Jugendliche von ihren Familien getrennt, wenn es zu schweren Konflikten, beispielsweise in Form von Misshandlungen oder sexueller Gewalt kommt.

Herzstück dieses Geschosses wird ein zentraler Raum, in dem sich die Jugendlichen begegnen können sowie eine große gemeinsame Küche. „Diese neue Wohngruppe war der Anlass für das Bauvorhaben“, erläutert Artschwager. Bisher gab es am Hauptsitz der Waldhaus Jugendhilfe neben jeweils acht Wohngruppen-Plätzen für die regulären sowie für die Intensivwohngruppen lediglich zwei Plätze für das Inobhutnahme-Programm.

Vier neue Apartments für Mitarbeiter

„Diese waren in einem separaten Haus direkt neben den anderen beiden Wohngruppen untergebracht“, sagt Artschwager. Das Problem: Die Jugendlichen konnten ihre Betreuer nur mittels eines Notfallknopfes informieren, wenn es zu Schwierigkeiten gekommen wäre. „Nach den bestehenden Regularien dürfen die Jugendlichen nicht separat untergebracht werden, der Notfallknopf war also nur eine Behelfslösung, auf die wir uns für die Übergangszeit geeinigt hatten“, erklärt Artschwager. Im neuen Gebäude soll dieser Situation durch ein weiteres Mitarbeiter-Büro auf derselben Etage Abhilfe geschaffen werden. Im dritten Geschoss sollen schließlich Mitarbeiter oder Jugendliche, die auf dem Markt keine Wohnung finden, in vier neuen Apartments unterkommen. „Auch wir stoßen immer wieder auf das Problem der Wohnungsnot in unserer Region“, so Artschwager.

Auf der Rückseite des Gebäudes – also im Zentrum des Waldhaus-Geländes – soll zudem ein neuer Platz mit Sitzstufen, mehreren großen Bäumen und einer Trinkstelle entstehen, die durch das eigene Wasservorkommen im Boden gespeist wird.

Auf der anderen Seite des Neubaus gibt es künftig einen weiteren Zugang aus Richtung Hildrizhausen zum Waldhaus-Gelände. „Bisher musste man ja immer um das ganze Gelände herumkurven, um zur Verwaltung zu kommen“, sagt Artschwager. Davor sind 47 Parkplätze sowie vier Stellplätze für Wohnmobile angedacht.

Die Planungen des Architekturbüros sehen vor, dass der Neubau im Frühjahr nächsten Jahres bezugsfertig ist. „Ich würde mir wünschen, dass das ganze schneller über die Bühne geht“, betont Artschwager. „Da müssen wir noch einmal ins Gespräch gehen.“

https://www.krzbb.de/krz_52_111691100-13-_Waldhaus-Jugendhilfe-Eine-neue-Wohngruppe-fuer-Jugendliche-in-Not.html?archiv=1

Hans Artschwager führt erneut die SPD-Liste an

Die SPD Holzgerlingen und Schönbuchlichtung hat ihre Kreistagskandidaten gewählt

KREIS BÖBLINGEN (red). Die SPD im Wahlkreis 7, die Ortsvereine Schönbuchlichtung und Holzgerlingen haben ihre Kandidaten für den Kreistag im Café Fuchsbau in Hildrizhausen gewählt. Eine große Zahl an Mitglieder war gekommen um die Kandidaten zu bestimmen.

Manfred Ruckh aus Waldenbuch leitete die Sitzung. Zuerst hat er zusammen mit seinem Kollegen, Hans Artschwager die wichtigsten Programmpunkte für die Wahl aufgeführt. Er betonte, wie wichtig es angesichts von rechtsradikalen Parteien und Populisten sei, dass die SPD stärker werde. Dann stellten sich die einzelnen Kandidaten mit ihren eigenen Schwerpunkten vor.

Nachdem die beiden Ortsvereine eine gemeinsame, fertige Liste vorgelegt hatten, ging die Wahl schnell über die Bühne. An der Spitze des Wahlvorschlags steht Hans Artschwager, der auch in der vergangenen Periode im Kreistag saß und der extra kurz von der Handball-Weltmeisterschaft, wo er als Präsident des Handballverbandes Württemberg in offizieller unterwegs gewesen ist, nach Hildrizhausen gekommen war.

Auf der Liste der SPD für den Wahlkreis 7 folgen: Waltraud Frasch (Holzgerlingen), Siegfried Müller, Jasmina Volckart (beide Weil im Schönbuch), Ralf Mickeler (Holzgerlingen), Roland Schäufele (Hildrizhausen), Jaime Penno (Holzgerlingen), Valery Bafa’a (Altdorf) und Tayfur Baris (Holzgerlingen). Ersatzkandidat ist Robert Löffler (Weil im Schönbuch).

https://www.krzbb.de/krz_52_111653311-13-_Hans-Artschwager-fuehrt-erneut-die-SPD-Liste-an.html?archiv=1

Ein Wochenende voller freudiger Begegnungen

Waldhaus Hildrizhausen lud zum „Fest der Kulturen“ – Enthüllung einer Ackermann-Skulptur

Drei Tage mit unterschiedlichen Gästen, drei Tage voller Begegnungen, drei Tage Feierstimmung am Schönbuchrand. Die Waldhaus Jugendhilfe öffnete zum 60. Jubiläum am vergangenen Wochenende seine Türen, um gemeinsam mit Jugendlichen, Freunden und Bevölkerung die lange Historie der Einrichtung zu feiern.

Von Vanessa Frey vom 10. Juli 2017, Kreiszeitung Böblinger Bote

HILDRIZHAUSEN. Den Auftakt machte am Freitagabend der Nagolder Kabarettist Klaus Birk mit seinem neuen Programm „Liebe dich! Oder du kannst mich mal gern haben!“. Mit seinem Soloprogramm begeisterte er rund 100 Gäste im Festzelt mitten auf dem Waldhaus-Gelände. Ironisch, spöttisch und vor allem schwäbisch – Klaus Brik nahm das Publikum mit auf eine amüsante Reise durch den Alltag und seine heißbeliebte Region. Dabei küsst er die Krise, liebt den Benzinpreis und hat die Kanzlerin zum Fressen gern. „Ein toller und erfrischender Auftakt in unser großes Festwochenende“, zeigte sich Geschäftsführer Hans Artschwager begeistert.

Tags darauf lud das Waldhaus in Kooperation mit der Stiftung Jugendhilfe aktiv und dem Verein für Jugendhilfe zum zweiten Mal zum „Fest der Kulturen“ ein. Ein Tag der für Zusammenführung und Integration steht. Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aus dem gesamten Landkreis kamen gemeinsam mit ihren Betreuen auf das Stammgelände in Hildrizhausen, um zusammen zu feiern. Umrahmt von einem internationalen Buffet und jeder Menge Kultur im Festzelt: von Breakdance bis zu Theater. „Ein Tag mit vielen kulturellen Facetten, der uns auch dieses Jahr sehr große Freude bereitet hat“, erklärt Hans Artschwager.

Highlight des Samstags war die Enthüllung einer monumentalen, 2,5 Tonnen schweren Skulptur, die der Nebringer Künstler Lutz Ackermann gemeinsam mit Waldhaus-Jugendlichen nach knapp eineinhalb Jahren pünktlich fertiggestellt hat. Bereits das zweite Werk des Künstlers, das seinen Platz in der Einrichtung findet. „Die Kombination zwischen Kunst und Pädagogik wird im Waldhaus großgeschrieben“, beschreibt Lutz Ackermann. Sein neues Werk besteht aus einem Säulentrio, jede Säule steht dabei für sich. „Betreuen, helfen, schützen – das sind die Leitmotive der Skulptur, dafür steht auch das Waldhaus.“ Landrat Roland Bernhard zeigt sich vom Werk des Künstlers ebenfalls begeistert und lobt gleichzeitig die Arbeit der Jugendhilfeeinrichtung am Schönbuchrand: „Das Waldhaus leistet meisterliche Arbeit, was immer wieder durch Projekte wie dieses ersichtlich wird.“

Treffen der ehemaligen Mitarbeiter und Waldhaus-Bewohner

Zum emotionalen Höhepunkt kam es am Sonntag beim Tag der offenen Tür. Mittelpunkt dieses Tages war ein großes Ehemaligen-Treffen, bei dem sich Mitarbeiter und Jugendliche aus 60 Jahren Jugendhilfe im Waldhaus wieder in ihrem einstigen Lebensmittelpunkt zusammenfanden. „Die Ehemaligen kamen aus ganz Deutschland zurück nach Hildrizhausen, selbst aus Hannover oder Bremen fanden sie ihren Weg“. Für Hans Artschwager und seine Mitarbeiter ein Tag voller überraschender und freudiger Begegnungen. Und die Ehemaligen begaben sich mit ihrem Besuch auf eine kleine Reise durch die Zeit. Werkstattmeister trafen auf ihre einstigen Auszubildenden, Erzieher auf ehemalige rebellische Jugendliche. Jeder mit seiner eigenen Lebensgeschichte, die das Waldhaus zu einem wichtigen Teil mitgeschrieben hat. „Das Waldhaus hat den Verlauf meines Lebens definitiv bestimmt“, erzählt Werner Koch, einst untergebracht in der Stammeinrichtung, heute noch wohnhaft in Hildrizhausen. Der Tenor aus den zahlreichen Begegnungen war immerfort derselbe: „Wir kommen stets gerne hierher zurück!“ Und das ist wohl das größte Kompliment, dass man aus 60 Jahre Waldhaus Jugendhilfe mitnehmen kann.

Heute Premiere im Mauerwerk Herrenberg: Amir und die Detektive

Mehr oder weniger geplatzt auf der großen Waldhaus-Fete ist die Uraufführung des Stücks „Amir und die Detektive“. Dieses Stück hatten Johannes Storost vom Herrenberger Mauerwerk und der Verein Probs aus Stuttgart fast ein Jahr lang mit immer wieder wechselnden, unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, die im Waldhaus beschult werden, einstudiert. Doch es gab ein technisches Problem in Hildrizhausen. Zugespielt werden sollen hätten Bilder vom Beamer – die im weißen Festzelt von der grellen Tageshelle aber regelrecht verschluckt wurden. Und so konnte nur eine einzige Szene dargeboten werden.

Macht aber nichts: Das komplette Stück soll heute Abend um 20 Uhr im Herrenberger Mauerwerk Premiere feiern. Handlungsort sind die Mercaden in Böblingen, wo sich die jungen Flüchtlinge auch im echten Leben immer wieder treffen. „Das Stück kann aber eigentich in jedem Einkaufszentrum spielen“, meint Storost. Und wie bei Erich Kästners „Emil und die Detektive“ geht es darum, einen Diebstahl auf eigene Faust aufzuklären. Vorab wird im Mauerwerk ein Film zum 60-jährigen Bestehen der Jugendhilfe Waldhaus gezeigt. Der Eintritt ist frei.

Fachkräftemangel: Quereinsteiger werden dringend gebraucht

Gerlinde Wicke-Naber,  07.12.2018, Stuttgarter Nachrichten

Das Waldhaus geht den Fachkräftemangel kreativ an und finanziert berufsfremden Mitarbeitern ein Fernstudium. Weitere Sozialeinrichtungen könnten dem Beispiel folgen. Doch trotz fehlenden Personals wird das Angebot kaum genutzt.

Sindelfingen – Yousof Neisi wirkt entspannt. Trotz Dreifachbelastung mit Job, Studium und Familie macht der 39-Jährige einen gelassenen Eindruck. Noch vor einem Jahr sah das etwas anders aus. Damals hatte Neisi gerade sein Fernstudium der Sozialen Arbeit begonnen und stand mächtig unter Druck. „Ich habe große Schwierigkeiten mit dem Stoff, vor allem wegen der Sprache“, berichtete er damals. 

Zwei Semester später ist sich der Iraner, der vor fünf Jahren nach Deutschland geflüchtet ist, sicher: „Ich schaffe das Studium, wenn auch etwas langsamer als geplant.“ Dabei hilft ihm ein striktes Zeit- und Organisationsmanagement. „Ich stehe morgens um 5 Uhr auf, um noch vor der Arbeit zu lernen. Abends gibt es dann zwei weitere Stunden Lernzeit.“ Die Wochenenden jedoch seien tabu, sagt Neisi. „Die gehören ganz der Familie.“ 

Viele Fachfremde arbeiteten in der Flüchtlingskrise mit Ausnahmegenehmigung

Und er weiß, dass er die volle Unterstützung seines Chefs Uwe Seitz und seiner Kollegen hat. Denn die wollen Neisi unbedingt behalten. „Er verkörpert Tugenden wie Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. Außerdem unterstützt er uns in der Arbeit mit Flüchtlingen, die aus dem gleichen Kulturkreis wie er stammen“, sagt Seitz.

Neisi war einer der vielen fachfremden Quereinsteiger, die das Waldhaus, wie viele andere Sozialunternehmen in der Flüchtlingskrise, mit einer Ausnahmegenehmigung eingestellt hatte. „Ohne diese Mitarbeiter hätten wir die Arbeit nicht geschafft“, sagt Hans Artschwager, der Chef des Waldhauses. Als weniger unbegleitete minderjährige Ausländer einreisten, endete auch die Ausnahmeregelung für die Berufsfremden. Doch Artschwager wollte die bewährten Kräfte halten. Denn Fachkräftemangel ist nicht nur ein Problem im Handwerk und in der Pflege. Auch viele soziale Einrichtungen suchen händeringend Mitarbeiter. 

Gefragt sind vor allem Leute mit Lebenserfahrung

Besonders gefragt sind Menschen mit Lebens- und Berufserfahrung. „Bei unseren Projekten mit Langzeitarbeitslosen macht es keinen Sinn, wenn eine 25-Jährige einem 50-Jährigen sagen will, wo es langgehen soll“, sagt Uwe Seitz. Deshalb seien Mitarbeiter wie Yousof Neisi hochwillkommen. 

Das sieht auch Ursel Wolfgramm so. Die Vorstandsvorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbands entwickelte auf Anfrage von Hans Artschwager gemeinsam mit der Fernhochschule Riedlingen einen Studiengang Soziale Arbeit. „Die Quereinsteiger sind eine Bereicherung für den Studiengang“, sagt sie. Kenntnisse aus anderen Branchen, zum Beispiel der freien Wirtschaft, könnten die Mitarbeiter auch in die sozialen Einrichtungen einbringen. 

Yousof Neisi war in seiner Heimat Filmregisseur und arbeitete als Dolmetscher für arabische Botschaften. Sowohl seine Sprachkenntnisse als auch seine kreativen Fähigkeiten sind im Waldhaus gefragt. 

Mit fünf Waldhauskollegen begann er vor einem Jahr das berufsbegleitende Studium. „Hochmotiviert“ seien die Waldhaus-Studenten , lobt Angela Teichert, eine Professorin an der Hochschule Riedlingen, die Teilnehmer, die sie aus einigen Seminaren kennt. „Sie bringen ihre Erfahrungen aus der praktischen Arbeit direkt ein. Das bereichert.“ 

Yousof Neisi hat während des Lesens der Studienbriefe immer wieder Aha-Erlebnisse. „Da werden Probleme geschildert, die ich täglich erlebe.“ Er lernt durch das Studium, professionell an solche Situationen heranzugehen, und erhält Rüstzeug wie Gesprächstechniken. 

Die enge Verzahnung von Theorie und Praxis sieht auch Uwe Seitz als großen Vorteil des Studiums der Quereinsteiger. „Ich habe Yousof in meine Beratung für häusliche Gewalt eingebunden.“ Neisi gebe ihm wertvolle Hinweise bei der Beratung eines afghanischen Mannes. „Er kann mir die kulturellen Hintergründe erklären.“ Auch seine Sprachkenntnisse – Neisi spricht Farsi und Arabisch – seien dabei sehr nützlich. 

13 000 Euro pro Person investiert das Waldhaus in die Qualifizierung jedes Mitarbeiters. Unverständlich ist es Ursel Wolfgramm, warum keine andere Organisation dieses Qualifizierungsangebot des Paritätischen Wohlfahrtsverbands in Anspruch nimmt. „Alle suchen Fachkräfte. Hier haben wir ein Angebot, bewährte Leute an die Einrichtung zu binden“, wirbt sie. 

Für Hans Artschwager ist diese Qualifikation der Schlüssel zu mehr Mitarbeitern: „Wir sind überzeugt, dass wir mit diesem Weg Menschen für soziale Arbeit gewinnen werden, die aufgrund ihrer bisherigen Berufsbiografie diesen Weg nicht eingeschlagen hätten.“

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Aus bösen Buben wurden respektable Männer

von Gerlinde Wicke-Naber,  13.07.2017, Stuttgarter Nachrichten

Die Jugendhilfeeinrichtung Waldhaus in Hildrizhausen hat zu ihrem 60-jährigen Bestehen auch Ehemalige eingeladen. Zwei von ihnen erzählen, wie sie im Heim mitten auf dem Land die Grundlagen fürs Leben gelernt haben.

Hildrizhausen – Gaudenzio Filos und Dieter Zimmermann sind respektable Männer mit ergrautem Haar. Zimmermann hat sein Leben lang als Hausmeister in diversen Einrichtungen und Firmen für Ordnung gesorgt, nun ist er Rentner. Filos arbeitet als Betriebsleiter bei einem Umzugsunternehmen in der Schweiz. Beide haben Kinder, sind mittlerweile Großväter. Ein bürgerliches Leben haben sie sich aufgebaut. Doch vor 40, 50 Jahren schien das alles andere als selbstverständlich. 

„Ich hatte ein hohes Aggressionspotenzial und war ständig in Schlägereien verwickelt“, erzählt Gaudenzio Filos. Der Vater starb, als Filos ein Baby war. Die Mutter wanderte von Italien in die Schweiz aus. Weil sie arbeiten musste, gab sie den Jungen in Pflege. „Meine Pflegeeltern waren sehr alt“, sagt der 59-Jährige. Als der Pflegvater 1972 starb, war der Junge 14 und mitten in der Pubertät. Das Jugendamt schickte ihn nach Hildrizhausen ins Waldhaus. „Böse- Buben-Heim­“ hieß es damals bei vielen Einheimischen in der Umgebung. „Wir hatten schon einen Ruf als Ganoven“, so Filos. Dabei verdanke er dem damaligen Chef Hans Artschwager senior viel. „Er hat verstanden, mit meinen Aggressionen umzugehen.“ Vor allem der viele Sport, der im Waldhaus ganz oben auf der Prioritätenliste stand, habe ihm geholfen, sagt Filos.

Der jetzige Chef ist im Waldhaus groß geworden

1957 hatte Hans Artschwager senior das Waldhaus gegründet. Kurz zuvor war der Maurer und Jugendwohlfahrtspfleger nach Hildrizhausen gekommen, um im dortigen Heim der Bewährungshilfe junge Straffällige auf den rechten Weg zu führen. Als der Leiter ging, baute Artschwager das Haus um, machte es zu einer GmbH und richtete den Fokus vor allem auf die Prävention. Die Betreuung von Jungen in schwierigen Lebenslagen wurde zu seinem Lebenssinn. Seine drei Söhne Hans, Wolfgang und Axel wurden in die Einrichtung hineingeboren, wurden dort groß. „Ich war mit den Artschwagerbuben befreundet, habe mit ihnen fast täglich Handball gespielt“, erzählt Filos.

Handball war die zweite große Leidenschaft von Artschwager senior. Er gründete den Handballverein BC Waldhaus, in dem bald nicht nur Schützlinge und Mitarbeiter der Einrichtung spielten, sondern auch viele Jugendliche aus dem Dorf. „Das war eine gute Form der Integration“, sagt Dieter Zimmermann. Der 67-Jährige verbrachte insgesamt zehn Jahre im Waldhaus. „Beim ersten Mal war ich 16, das zweite Mal kam ich als Mitarbeiter zurück.“ 

Das Waldhaus hat die Familie ersetzt

Im Waldhaus habe er zum ersten Mal „so etwas wie Familie erlebt“, sagt Zimmermann: „Ein richtiges Zuhause habe ich vorher nicht gekannt.“ Mit dem Freund der alleinerziehenden­ Mutter sei er nicht klar gekommen und deshalb immer viel herumgestreunt. Bis das Jugendamt einschritt und den 16-Jährigen aus der Großstadt Frankfurt „in die Pampa“ verfrachtete. „Das war ein echter Kulturschock.“ 

Doch er habe sich schnell eingewöhnt, die Vorteile des Landlebens erkannt. „Der Sport und das Arbeiten auf dem Gelände, das war richtig für mich“, ist sich Zimmermann sicher. „Mein Vater hat Wert auf Sport und Abenteuer gelegt. Das sind die Grundlagen unserer Arbeit. Heute nennt man das Erlebnispädagogik“, sagt Hans Artschwager junior, der nach dem Tod des Vaters die Geschäftsführung übernahm. In die Großstadt ist Zimmermann nie zurückgekehrt. Mit 20 verließ er die Einrichtung. Bis heute lebt er in Herrenberg, nur wenige Kilometer vom Waldhaus entfernt. 

Die Grundlagen fürs Berufsleben gelernt 

Gaudenzio Filos hingegen war beim großen Ehemaligentreffen, zu dem das Waldhaus zum 60-Jahr-Jubiläum geladen hatte, „das erste Mal seit 41 Jahren wieder da“. Sehr emotional sei das gewesen: „Hier habe ich die Grundlagen für mein Leben erhalten, gelernt, meine Aggressionen in den Griff zu bekommen.“ Er absolvierte eine Ausbildung in der Metallwerkstatt der Einrichtung. Auch Dieter Zimmermann holte sich im Waldhaus das Rüstzeug für sein Leben. „Die Metallwerkstatt war nichts für mich. Aber ich habe überall auf dem Gelände Handwerksarbeiten verrichtet. Und so hatte ich später immer einen Job als Hausmeister.“ Von 1980 bis 1987 war er sogar Hausmeister im Waldhaus. 

Wie viel Glück er hatte, ausgerechnet im Waldhaus und nicht in einer anderen Jugendhilfeeinrichtung zu landen, wurde Gaudenzio Filos klar, als er vor einigen Jahren mit einem Arbeitskollegen auf ein anderes ehemaliges Heimkind traf: „Der hat mir schreckliche Geschichten von Schlägen und so erzählt.“ Derartiges habe er im Waldhaus nie erlebt. 

Wichtig sei die Arbeit der Pädagogen auch heute noch, sind sich Filos und Zimmermann einig. „Es gibt viele Jugendliche, die Schwierigkeiten haben – mit der Familie, Drogen, Alkohol, Gewalt“, sagt Filos. „Man muss alles tun, um diesen Jugend­lichen zu helfen. Bei mir hat es gewirkt.“

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